Start Impressum Sitemap     Rainer Bublitz     News    
Rainer Bublitz

Navigation
News 2012 News 2011 News 2010 News 2009 News 2008 Cinema Cinema 1920 - 1939 Cinema 1940 - 1949 Cinema 1950 - 1959 Cinema 1960 - 1969 Cinema 1970 - 1979 Cinema 1980 - 1989 Cinema 1990 - 1999 Cinema 2000 - 2009 Cinema 2010 - 2019 Bücher Krimis 2000 - 2009 Krimis 2010 - 2019 Pandora im Kongo Im Rausch der Stille Meine Schwester ist ein Engel Comics Carl Barks Hansrudi Wäscher Games Ico Tomb Raider Featuring Lara Croft Baphomets Fluch 1 & 2 The Ages of Myst Die Tomb-Raider-Serie Audio Audio 1920 - 1939 Audio 1940 - 1949 Audio 1950 - 1959 Audio 1960 - 1969 Audio 1970 - 1979 Audio 1980 - 1989 Audio 1990 - 1999 Audio 2000 - 2009 Audio 2010 - 2019 TV-Kult Kommissarin Lund I - Das Verbrechen Mit Schirm, Charme & Melone Raumpatrouille Orion Fotos Ritterhude Street Chicago Wilhelmshaven Kochen Erbsensuppe mit Champignons Kartoffelsuppe Sparta Schwäbische Spätzle Pute Indisch mit Linsen und Banane Paprika Chinesisch mit Geflügelfleisch Spinat und Schafskäse in Blätterteigbett Hasenpfeffer auf schwäbische Art Home Frau Katze I Frau Katze II Mein Freund Kalle CandyHouse Under Spanish Arcades CandyHouse Vintage CandyHouse 2000 Garageband Links

Extern
b-sites Lost In The Andes Das Lakritzlabor
random

Klick mich!

made_on_a_mac

Valid HTML 4.01 Strict
Valid CSS!

Che

Leben und Sterben eines Revolutionärs

Che Che Che Che Che Che Che Che Che Che Che Che Che Che Che Che

CheSoderbergh ist weder ein investigativer Journalist noch ein Historiker, und so beschränkt er sich in seinem zweiteiligen Epos über Ernesto 'Che' Guevara (Benicio Del Toro) auf die reine Darstellung hinlänglich bekannter Ereignisse. In Teil 1 ("Revolución") verfolgen wir, wie sich die kleine Guerrilla-Armee um Fidel Castro und Guevara durch den Dschungel in Richtung Havanna vorkämpft und schließlich das Batista-Regime vertreibt; in Teil 2 ("Guerrilla") erleben wir Guevaras tragisches Scheitern bei dem Versuch, die Revolution nach Bolivien zu tragen.

Soderbergh stützt sich bei seiner Darstellung hauptsächlich auf die Aufzeichnungen Guevaras. Auf eine Idealisierung der Figur verzichtet er dabei. Aber das bedeutet natürlich noch lange keine "Objektivität" - schließlich wird die Wahrnehmung von Geschichte immer auch von der Perspektive des Beobachters bestimmt, es gibt keine Darstellung von geschichtlichen Ereignissen, die nicht auch Interpretation ist. Soderbergh gibt sich Mühe, keine Position zu beziehen. Und dennoch, wenn man sich den Film aufmerksam anguckt, wird schon bald klar, dass seine Sympathie der Hauptfigur und seinen Ideen gilt. Dagegen ist auch gar nichts einzuwenden (und schließlich ist ja auch die Auswahl des Themas schon ein klares Statement).

Und dennoch, etwas mehr Parteilichkeit hätte ich mir gewünscht. So kriegt man von den im Film zwar oft diskutierten "schlechten Verhältnissen, in denen die Bevölkerung unter Batista lebt", keine Bilder zu sehen. Sie bleiben Theorie, und dadurch ist es zumindest für den "geschichtlich nicht vorgebildeten" Zuschauer nur schwer nachvollziehbar, was die kleine Armee antreibt. Offenbar wollte Soderbergh den Eindruck eines "politischen Films" vermeiden. Kollege Costa-Gavras ("Z", "Der unsichtbare Aufstand", "Missing") war da wesentlich klarer. Vielleicht einfach mutiger? Jedenfalls haben mich die genannten Costa-Gavras-Filme wütend hinterlassen, weil sie mir die Augen öffneten für brutale Unterdrückung und politische Willkür. Solche Emotionen oder auch nur eine Identifizierung mit den Opfern löst 'Che' aber nicht aus.

'Che' ist also kein politischer Film. Seltsamerweise bringt er uns aber auch den Menschen Guevara nicht nahe. Die Figur 'Che Guevara' tritt gleich am Anfang in den Film ein, ohne eine Vergangenheit zu haben. Wir erfahren nichts über ihre Motive und persönliche Befindlichkeit. Benicio Del Toro ist ohne Frage eine perfekte Besetzung, aber wirklich glänzen kann er nicht, denn er wird kaum gefordert. Die Kamera bleibt distanziert, es gibt nur wenige Nahaufnahmen, und das hat auch wohl seinen Grund im oben gesagten: 'Che' ist keine Charakterrolle, nach psychologischen Zusammenhängen wird gar nicht erst gefragt, und es findet auch keine Entwicklung statt. Bemerkenswert ist aber Del Toros physische Verwandlung vom optimistischen, zuversichtlichem Kämpfer zum müden, schwer angeschlagenen menschlichem Wrack - wie kriegt ein Schauspieler solche dicken Augenlider und eingefallenen Wangen hin?

Der Film liefert keine erhellenden Einsichten in die Psyche Che Guevaras und darüber, was ihn antrieb. Aber was blieb Soderbergh auch übrig? Che Guevara ist nach wie vor eine rätselhafte Gestalt, es kursieren zahlreiche Mythen, aber über den Menschen weiß man nur wenig. Mit einem Erklärungsversuch hätte Soderbergh sich also zwangsläufig in den Bereich der Spekulation begeben. Das hat er vermieden.

Beide Teile von 'Che' haben die gleiche Perspektive, beide werden chronologisch erzählt. In 'Revolución' wird die Chronologie lediglich gelegentlich durch vorausgreifende, in Schwarzweiß gehaltene Sequenzen durchbrochen, in denen wir Fidel Castro und Che bei Reden vor der UNO oder im Gespräch mit Diplomaten sehen.

Beide Filme enthalten, logischerweise, viele Kampfszenen; Soderbergh hat aber dankenswerterweise darauf verzichtet, uns einen Action-Film zu servieren. Die Kampfszenen werden nicht ausgespart, aber wirken nicht "filmisch inszeniert" ... allerdings setzt die Musik an einigen Stellen dramaturgische Akzente, die ich als unnötig und teilweise auch als störend empfand.

Fazit: 'Che' ist insgesamt über 4.15 Stunden lang, und so war es eine kluge Entscheidung, ihn in zwei (etwa gleich lange) Teile zu schneiden. Sitzfleisch braucht man trotzdem immer noch. Und auch etwas Geduld, denn die Dinge entwickeln sich langsam. Wer so etwas mag, der sollte sich 'Che' angucken. Er kriegt großes Kino mit hohem Diskussionswert geboten.(Rainer Bublitz 05/2010)

Kommentar von Ulli Tepelmann: Wenn man den Film "The Motorcycle Diaries" gesehen hat und jetzt diesen Film sieht, wird man sicher eine Entwicklung in Che's Persönlichkeit und Einstellungen spüren, die ja auch schon in den "Diaries" angedeutet wird, wo er am Anfang ein unbeschwerter junger, verliebter Medizinstudent ist und am Schluss ein nachdenklicher, gereifter Mann. Vielleicht sollte man empfehlen, sich alle drei Filme in der richtigen Reihenfolge hintereinander anzusehen! (Soviel zum Thema "Sitzfleisch"!) (Ulli Tepelmann 03/06/10)

Spain/France/USA 2008

Originaltitel: Che ("Revolución" & "Guerrilla")

Regie: Steven Soderbergh

Darsteller: Benicio Del Toro, Demián Bichir, Julia Ormond, Franka Potente, Rodrigo Santoro

© 2005 - 2012 rainerbublitz