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Dead Man

Trip ins Jenseits

deadmanAmerika, irgendwann gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Weil ihm in der Maschinenfabrik "Dickinson" ein Job als Buchhalter zugesagt wurde, hat William Blake (Johnny Depp) sein gesamtes Vermögen in einen Fahrschein investiert und ist von Cleveland in das ferne Städtchen "Machine" gereist. Dort angekommen, muss er feststellen, dass der Job bereits vergeben ist. Firmenboss Dickinson (Robert Mitchum) schmeißt ihn eigenhändig mit dem Gewehr aus seinem Büro. Von seinem letzten Dollar kauft sich Blake im Saloon eine Flasche Whiskey. Während er auf dem Gehweg sitzt und über seine düstere Lage sinniert, fällt ihm - buchstäblich - Thel (Mili Avital) vor die Füße. Die ehemalige Hure verkauft selbstgemachte Papierrosen und ist offenbar eine ebenso verzweifelte Seele wie Blake. Sie nimmt ihn mit zu sich und lässt ihn in ihr Bett (und, wie es scheint, auch in ihr Herz). Später in der Nacht taucht Thels ehemaliger Geliebter (Gabriel Byrne) auf und schießt auf die beiden. Die Kugel tötet Thel und bleibt dann in Blakes Brust stecken. Blake erschießt den Mann (bei dem es sich, wie sich später herausstellt, um den Sohn von Dickinson handelt) mit Thels Revolver und flieht - schwer verletzt - durchs Fenster.

In der nächsten Szene sehen wir einen großen, dicken Indianer (Gary Farmer ... der nicht unbedingt unseren Klischees eines Indianers entspricht, aber tatsächlich einer ist), der irgendwo in den Wäldern mit einem Messer in Blakes Wunde herumstochert. Schließlich legt er das Messer aus der Hand und erklärt dem gerade aus seiner Ohnmacht erwachenden Blake, die Kugel sei zu nahe am Herzen und könne nicht entfernt werden. Als Blake sich vorstellt, reagiert der Indianer sehr aufgeregt und rezitiert ein Gedicht des englischen Dichters William Blake (1757 - 1827). Wie sich herausstellt, war der Indianer, der sich selbst "Nobody" nennt, als Junge von den Weißen entführt und nach England verschleppt worden, um dort öffentlich zur Schau gestellt zu werden. Dabei hatte er das Werk des Dichters Blake lieben gelernt. Nun hält er den vor ihm liegenden Blake für den Dichter Blake - ein Umstand, der im Verlauf der Geschichte zu einigen absurden Situationen führt, denn der Depp-Blake hat keine Ahnung von seinem berühmten Namensvetter.

Die beiden ziehen gemeinsam weiter. Wohin die Reise geht, ist zunächst sowohl Blake als auch dem Zuschauer unklar. Erst nach und nach wird deutlich, dass Nobody Blake, der für ihn ein "Toter Mann" ist (sehr anschaulich dargestellt in einer Sequenz, in der sich das Gesicht Blakes in einer Vision Nobodys in einen Totenschädel verwandelt), zum Sterben an die Küste führt, um ihn dort in ein Boot zu setzen, damit er dorthin zurückkehren kann, "woher alle Geister kommen". Nobody möchte also dem vermeintlichen Dichter Blake eine Rückkehr nach England ermöglichen.

Dead Man

Johnny Depp hat in Dead Man nichts zu lachen

Unterdessen sehen wir, wie Dickinson drei Killer anheuert und sie beauftragt, ihm - tot oder lebendig - für eine Belohnung von 500 Dollars "den Mörder seines Sohnes und dessen Verlobter" zu bringen. Angeblich ein Exklusivauftrag, aber wie die drei später feststellen, hängen bald überall Steckbriefe von Blake. Als Blake die Steckbriefe mit seinem Konterfei sieht, gibt er - zum einzigen Mal im Film - seine beinahe apathische Ergebenheit ins Schicksal auf und reagiert wütend und verzweifelt.
Auf ihrer Reise begegnen Nobody und Blake einige seltsame Gestalten, darunter zwei Marshalls (die Blake suchen), merkwürdige Tramps und ein rassistischer Missionar in einer kleinen Handelstation. Jede dieser Gestalten hat seine eigenen Obsessionen - einer der Tramps läuft in Frauenkleidern herum (herrlich schräg: Iggy Pop!), einer der Kopfgeldjäger hütet eifrig einen kleinen Teddy vor jeder fremden Berührung, während ein anderer (absolut fies: Lance Henriksen) einer weniger harmlosen Leidenschaft frönt: Er erschießt seine beiden Kollegen und verspeist einen. Hinzu kommen einige Gestalten, deren Gesichter wir nicht zu sehen kriegen - sie stürzen unvermittelt aus dem Hinterhalt, um Blake zu töten. Keine einzige der oben genannten Figuren erlebt das Ende der Geschichte. Sie werden alle von Nobody und Blake ins Jenseits befördert. Eine atemberaubende (aber nachvollziehbare) Wandlung Blakes vom Opfer zum Täter. Jetzt, wo er zum Sterben verdammt ist, erwachen seine Überlebensinstinkte. Wie es indes wirklich in ihm aussieht, ahnen wir in einer Szene, in der er ein von einer unbekannten Hand, offenbar aus purer Lust am Töten, erschossenes Bambi findet. Er vergleicht sein Blut mit dem des Bambis, dann legt er sich in gekrümmter Haltung neben den Kadaver auf den Boden, als wenn er sich durch Nachahmen der Todespose einen Eindruck vom eigenen bevorstehenden Tod verschaffen will.

Als Nobody und Blake schließlich ein Indianerdorf an der Küste erreichen, um dort ein seetüchtiges Boot zu erwerben, ist ihnen nur noch der Kopfgeldjäger mit der Kannibalismusneigung auf den Fersen. Blake ist so schwach, dass er ohnmächtig zusammensinkt. er kommt erst wieder zu sich, als er in einem Boot liegt, sorgfältig auf weiche Zweige gebettet. Über ihn gebeugt ist - wie schon bei der ersten Begegnung - Nobody. "Mit dieser Welt hast du nun nichts mehr zu tun!", sagt er, dann gibt er dem Boot einen Stoß. Wie er aufs Meer hinaustreibt, blickt Blake, der einen seltsam gefassten, fast glücklichen Eindruck macht, zurück zur Küste, wo sein neuer (und letzter) Freund ihm hinterhersieht. Ohne eingreifen zu können, muss er beobachten, wie hinter Nobody der letzte Kopfgeldjäger auftaucht. Beide schießen aufeinander und fallen zu Boden. Ende.

Dead Man

Der Tod ist in Machine allgegenwärtig

Dead Man ist eine düstere Ballade über das Sterben. Der Tod bestimmt die Geschichte und treibt die Handlung voran, er ist lakonisch, allgegenwärtig und sinnlos, er trifft die Figuren unerwartet, zufällig, beinahe beiläufig, und hat so gar nichts Heroisches an sich, wie man es aus anderen Filmen kennt. Er stößt nicht einmal auf ernsthafte Gegenwehr, alle Betroffenen scheinen ihr Schicksal augenblicklich zu akzeptieren. Und der Tod ist gründlich - am Ende ist Fabrikbesitzer Dickinson der einzige Überlebende in dieser Geschichte. Ist der Film also eine Parabel über den Einbruch der Industrialisierung in die weitgehend von archaischen Riten bestimmte Gesellschaft?

Das würde Sinn machen. Dickinson ist ohne Frage die dominierende Figur im Hintergrund, der Urheber und Auslöser der gesamten Todesarie. Das Geld, das er mit seinen Maschinen verdient hat, gibt ihm die Macht, über Leben und Tod zu entscheiden, ohne auch nur den Finger zu krümmen. Wenn seine Marionetten - die Kopfgeldjäger, Missionare und Marshals - sterben, juckt ihn das wenig, denn sie sind ersetzbar.

Sein Gegenspieler in dieser Geschichte ist freilich nicht Blake, sondern Nobody. Nobody ist die einzige frei agierende Figur neben Dickinson, er ist der einzige, der seine Wege selbst bestimmt und sich nicht von Dickinson dirigieren lässt. Wenn er sich über den ohnmächtig im Wald liegenden Blake beugt und versucht, dessen Kugel zu entfernen, ist er zudem - neben Thel - die einzige Figur, die die Fähigkeit zu Barmherzigkeit und Menschlichkeit beweist. Dabei ist er selbst ein Ausgestoßener, ein "Niemand", wie er sich selbst nennt, denn auch bei den Indianern - bei denen längst "westliche Modernität Einzug gehalten hat, man sieht in einer Szene sogar eine Nähmaschine - ist er nicht zu Hause. Sein Glaube hat nichts mit der Rationalität und Mechanik eines Dickinson zu tun, stattdessen hält er an der indianischen Todesmystik fest. Und in diese führt er den von Dickinson kaltherzig ausgespuckten Blake ein. Ist es nur ein ironischer Wink, dass er, der Indianer, sich daführ der Poesie eines westlichen Dichters der Romantik bedient? Vielleicht. Vielleicht aber auch ein Hinweis, dass Mystizismus keineswegs eine Erfindung der nordamerikanischen Indianer ist, sondern einmal den Glauben aller Menschen bestimmte.

Blake ist im Grunde eine schwache Figur. Er ist ein Opfer. Er hat den Schritt in die neue Zeit versucht, aber ist gescheitert. Das lag nicht einmal an seinem persönlichen Unvermögen, sondern am Pech und an der Austauschbarkeit und Beliebigkeit der von den Dickinsons dieser Welt ausgebeuteten Kreaturen. Seine Gegenwehr erwacht erst, als es bereits zu spät und er ein "toter Mann" ist. Sein Ende ist indes versöhnlich, wenn er mit vollkommen friedlicher Miene aufs Meer hinaustreibt.

Man kann den Film also durchaus als Parabel über den Einzug der Industrialisierung - und die damit einhergehende Verdrängung der Mystik durch Rationalität - verstehen.

Dead Man

Welche Rolle Nobody (Gary Farmer) in dem Film spielt, ist zunächst unklar

Dead Man ist großes Kino jenseits der Konventionen von Hollywood, mit einem eigenen Erzählstil, der, wenn man sich auf ihn einlässt, fasziniert und fesselt und Kopf und Herz gleichermaßen anspricht. Die Akteure agieren mit offensichtlicher Spielfreude und füllen ihre Freiräume mit Humor und ironischem Augenzwinkern. Das gilt besonders für Gary Farmer, der eine eigenwillige, wenn gelegentlich auch etwas kokette Interpretation abliefert (und dafür, wenn es nach mir ginge, einen Oscar verdient hätte!), und Lance Henriksen, der dem kannibalistischen Kopfgeldjäger ein beängstigend diabolisches Gesicht verleiht. Johnny Depp zelebriert das wohl längste Sterben der Filmgeschichte mit einem bemerkenswerten Stoizismus, der allerdings manchmal die nahe Grenze zur narzisstischen Theatralik überschreitet. Insgesamt sind es aber gerade die bravourösen darstellerischen Leistungen, denen es der Zuschauer zu verdanken hat, dass er diese im Grunde sehr schwere Geschichte keineswegs deprimiert verlässt.

Von der Kritik erhielt der Film seinerzeit leider nicht die Aufmerksamkeit, die er zweifellos verdient hätte.(Rainer Bublitz 04/2005)

Kommentar von Macdonald: Habe "Dead Man" in diesem Herbst das erste Mal gesehen und teile deine überaus positive Bewertung dieses Films.

Hinzuzufügen ist vielleicht noch, dass ausschließlich schwarzweiße Bilder zu sehen sind (ich kann mir den Film in Farbe gar nicht vorstellen) und dass der von Neil Young gelieferte Soundtrack ihn zu einer vollkommen "runden" Sache macht.

Als Nobody zu Blake folgendes sagt, war ich wirklich beeindruckt:

"Diese Waffe nimmt den Platz deiner Zunge ein,
und du wirst lernen damit zu sprechen,
und deine Gedichte werden nur mit Blut geschrieben werden."
(Macdonald 18/12/05)

USA 1995

Originaltitel: Dead Man

Regie: Jim Jarmusch

Darsteller: Johnny Depp, Gary Farmer, Lance Henriksen,
Michael Wincott, Mili Avital, Iggy Pop, Jared Harris,
Billy Bob Thornton, Crispin Glover, Eugene Byrd,
Michelle Thrush, Gabriel Byrne, John Hurt,
Alfred Molina, Robert Mitchum

Soundtrack: Neil Young

Dia-Show

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