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No Country For Old Men

Kopf oder Zahl ...

No Country For Old Men4 Oscars erhielten die Coen-Brüder für diesen Streifen, in dem das Schicksal (in Gestalt eines irren Killers) die Hauptrolle spielt. Völlig zu Recht, denn der Film ist großes, zum Nachdenken anregendes Kino, und ich halte ihn sogar für noch stärker als Fargo.

Im Mittelpunkt des im Gewand eines modernen Westerns daherkommenden Dramas stehen drei Personen: der Hilfsarbeiter Llewelyn Moss (Josh Brolin), der in der Wüste einen Koffer mit 2 Mio. Dollar aus einer "missglückten" Drogenübergabe findet; der Killer Anton Chigurh (absolut diabolisch: Javier Bardem), der ihm das Geld wieder abnehmen möchte und bei der Verfolgung eine Blutspur so breit wie der Mississippi hinter sich herzieht; und der alternde, kurz vor der Pensionierung stehende und von Zweifeln und Weltschmerz geplagte Sheriff Ed Tom Bell (Tommy Lee Jones), der Moss das Leben retten und Chigurh dingfest machen will.

Ein hoffnungsloses Unterfangen, wie er ahnt, denn der Killer arbeitet mit geradezu übermenschlicher Präzision und Kälte, ist zudem absolut skrupellos und hochintellegent und erscheint unbezwingbar. Der Film bietet dem Zuschauer übrigens reichlich Gelegenheiten, sich davon selbst zu überzeugen.

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Moss findet Geld, das ihm nicht gehört. Wie in allen guten Filmen bringt ihm das kein Glück

Am Ende gibt es jede Menge Tote, unter ihnen auch Moss, der sich zwar irgendwann, als er erkennt, dass er Chigurh nicht entkommen kann, mit dem Mut der Verzeiflung zur Wehr setzt, aber im Grunde keine Chance hat. Aber auch die Überlebenden haben keinen Grund zur Freude, denn sie sind Verlierer. (Wobei das Schicksal von Chigurh, der zum Schluss, als er das Geld hat, durch einen dummen Zufall in einen Autounfall verwickelt und verletzt wird, unklar ist.)

Sheriff Bell überlebt die Geschichte, zumindest physisch. Und das verdankt er auch nur der Tatsache, dass während des gesamten Films sein Weg den des Killers nur ein einziges Mal kreuzt und er einer direkten Konfrontation ausweicht - wohl wissend, dass er diese nicht überleben würde. Aber dazu gleich mehr.

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Chigurh wählt seine Waffen mit Bedacht aus. Im Zweifelsfall nimmt er alle mit

No Country For Old Men ist ein typischer Coen-Film ... und doch gleichzeitig in vielerlei Hinsicht "anders" als andere Filme von Joel und Ethan Coen. Es gibt keine Ironie, keine komischen Szenen und kein Augenzwinkern. In diesem Film entsteht Absurdität nicht durch eine Überzeichnung der Realität, sondern ist die grausame Realität selbst - die Figuren scheitern nicht am eigenen Unvermögen oder Pech, sondern an Chigurh.

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Moss setzt sich zur Wehr. Kleine Anfangserfolge ändern aber nichts daran, dass er am Ende chancenlos ist

Dieser Killer ist eine seltsame Figur, die sich nur schwer erschliesst. Er zeigt keine offensichtliche Freude am Töten, und dennoch tut er es oft ohne erkennbare Notwendigkeit. Wobei er seinen Opfern gelegentlich eine 50 : 50 Chance einräumt und eine Münze wirft, um so über ihr Schicksal zu entscheiden. Und letzten Endes entscheidet auch eine 50 : 50 Chance über das Überleben von Sheriff Bell: Als dieser abends allein zu dem Motel zurückkehrt, in dem Moss erschossen wurde, sind zwei nebeneinander liegende Zimmer von der Polizei versiegelt worden. Der Zuschauer sieht, dass Chigurh, der offensichtlich zurückgekommen war, um sich das Geld zu holen, ihn aus einem der beiden Zimmer beobachtet. Aus welchem, weiß der Zuschauer zunächst nicht. Sheriff Bell hat offensichtlich eine Vorahnung. Und ist bereit, sich diesem 50 : 50 Risiko auszusetzen. Mit schweren, staksigen Schritten nähert er sich den beiden Türen ... und betritt dann das linke Zimmer. Er durchsucht es und findet eindeutige Spuren, dass der Killer nach der Polizei hier war und sich das Geld aus dem Lüftungsschacht der Klimaanlage geholt hat. Wobei er übrigens auch eine von Chigurh hinterlassene Münze findet. Dem Zuschauer ist klar: Bell weiß, dass der Killer nebenan ist. Bell weiß, dass er gegen ihn keine Chance hätte. Er verlässt das Zimmer und fährt fort, ohne das andere Zimmer durchsucht zu haben. Wenig später quittiert er den Dienst.

Am Ende des Films sehen wir einen zusammengefallenen, offenbar geschlagenen und depressiven Sheriff Bell, der über das Leben sinniert und seiner Frau von einem seltsamen Traum erzählt, in dem sein Vater - der ebenfalls Sheriff war - eine entscheidende Rolle spielt. Und hier wird deutlich, woher der Film seinen Titel hat.

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Der Killer ist bereit und gerüstet. Bell spielt russisches Roulette ... und bleibt nur deshalb am Leben, weil er rechtzeitig aus dem Spiel aussteigt

Eindeutig ist aber nichts an diesem Film. Er lässt viel freien Raum für Interpretationen. Ist Chigurh die Personifizierung des Bösen? Nein, versichern die Coens, Chigurh stehe nicht für das Böse, sondern für das Leben. Welchen Zusammenhang gibt es dann zwischen ihm und Bell? Ist Bell ein alter, vom "Leben" besiegter Mann?

Das mag jeder für sich selbst entscheiden. Und auch, wenn der Film keine eindeutige Lesart bietet, so ist er doch in keiner Weise unbefriedigend. Im Gegenteil, wer sich auf ihn einlässt (und z.B. mal versucht, alle 50 : 50 Chancen im Film aufzuspüren), dem bietet er eine Menge Stoff zum Nachdenken.

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Pensionär Bell hat einen betrüblichen Traum, den er nicht deuten kann. Es ist die Aufgabe des Zuschauers, einen Zusammen- hang zum Film herzustellen

Aber auch, wer ihn einfach als spannenden modernen Western sieht, kommt auf seine Kosten. Das liegt an der perfekten Inszenierung ebenso wie an den überzeugenden Darstellern. Allen voran natürlich Tommy Lee Jones, der immer besser wird und die Zweifel und Angst seiner Figur ohne große Gesten, aber dennoch sehr glaubhaft rüberbringt. Javier Bardem ist beängstigend, seine Figur kann empfindsame Zuschauer durchaus bis in den Schlaf verfolgen.

No Country For Old Men gewann, wie schon erwähnt, 4 Oscars. Vollends verdient, aber überraschend ist das schon, denn der Film ist nicht leicht und vor allem untypisch für Hollywood. So gibt es im gesamten Film (fast!!!) keine Musik.

Für mich ist No Country For Old Men - neben There Will Be Blood - der beste Film von 2007. Ich habe ihn mehrfach angesehen und jedes Mal neue Entdeckungen gemacht. (Rainer Bublitz 12/2009)

USA 2007

Originaltitel: No Country For Old Men

Regie: Ethan & Joel Coen

Story: Ethan & Joel Coen

Darsteller: Tommy Lee Jones, Javier Bardem, Josh Brolin, Woody Harrelson, Kelly Macdonald, Tess Harper, Garret Dillahunt

© 2005 - 2012 rainerbublitz