Start Impressum Sitemap     Rainer Bublitz     News    
Rainer Bublitz

Navigation
News 2012 News 2011 News 2010 News 2009 News 2008 Cinema Cinema 1920 - 1939 Cinema 1940 - 1949 Cinema 1950 - 1959 Cinema 1960 - 1969 Cinema 1970 - 1979 Cinema 1980 - 1989 Cinema 1990 - 1999 Cinema 2000 - 2009 Cinema 2010 - 2019 Bücher Krimis 2000 - 2009 Krimis 2010 - 2019 Pandora im Kongo Im Rausch der Stille Meine Schwester ist ein Engel Comics Carl Barks Hansrudi Wäscher Games Ico Tomb Raider Featuring Lara Croft Baphomets Fluch 1 & 2 The Ages of Myst Die Tomb-Raider-Serie Audio Audio 1920 - 1939 Audio 1940 - 1949 Audio 1950 - 1959 Audio 1960 - 1969 Audio 1970 - 1979 Audio 1980 - 1989 Audio 1990 - 1999 Audio 2000 - 2009 Audio 2010 - 2019 TV-Kult Kommissarin Lund I - Das Verbrechen Mit Schirm, Charme & Melone Raumpatrouille Orion Fotos Ritterhude Street Chicago Wilhelmshaven Kochen Erbsensuppe mit Champignons Kartoffelsuppe Sparta Schwäbische Spätzle Pute Indisch mit Linsen und Banane Paprika Chinesisch mit Geflügelfleisch Spinat und Schafskäse in Blätterteigbett Hasenpfeffer auf schwäbische Art Home Frau Katze I Frau Katze II Mein Freund Kalle CandyHouse Under Spanish Arcades CandyHouse Vintage CandyHouse 2000 Garageband Links

Extern
b-sites Lost In The Andes Das Lakritzlabor
random

Klick mich!

made_on_a_mac

Valid HTML 4.01 Strict
Valid CSS!

Schultze Gets The Blues

Spätes Erwachen

schultze gets the bluesDas Leben war bisher an Schultze (Horst Krause) relativ unbemerkt vorbeigezogen. Schultze lebt allein in einer traurigen Wohnung in einem traurigen Kaff irgendwo in Sachsen-Anhalt, und er ist darüber im Laufe der Jahre zu einem wortkargen Kerl geworden. Sein Alltag besteht aus dem Job in der Mine, dem örtlichen Musikverein und Kneipenbesuchen mit seinen Kumpels Jürgen und Manfred. Als alle drei quasi über Nacht unfreiwillig in den Vorruhestand versetzt werden, werden die Tage noch trister. Seine Freunde finden sich schnell mit der neuen Lage ab und suchen sich aufregende Hobbies wie Angeln oder Schrebergärten. Aber die haben ja auch Familie.

Da taucht, von jenseits von Schultzes begrenztem Horizont, ein kleines Licht aus der Dunkelheit auf: Schultze stolpert beim Radiohören über Zydeco-Musik, und die weckt eine bisher ungeahnte Sehnsucht in ihm. Fortan interessiert er sich für alles, was mit dem amerikanischen Süden zu tun hat, und als er beim alljährlichen Musikwettberwerb statt einer Polka oder eines Volksliedes einen Zydeco-Song auf dem Akkordeon spielt, kommt es zum Eklat - sein Vortrag wird als "Negermusik" beschimpft. Doch Schultze lässt sich nicht von seinem geheimen Traum abbringen. Er nimmt kleine Jobs an, um sich eine Reise nach Texas zu finanzieren. An dem Tag, als er zum Reisebüro kommt, ist das Angebot ("EUR 699,-") nicht mehr gültig. Da kommt ihm das Glück zu Hilfe: Der Musikverein erhält die Einladung, ein Mitglied zu einem Wettbewerb in Texas zu entsenden. Da sich niemand traut, fällt die Wahl auf Schultze. Und so tritt Schultze die erste große Reise seines Lebens an ...

schultze gets the blues

Schultze sucht den Sinn in seinem Leben

(ACHTUNG - ab hier folgen Spoilers!)

Schultze gets The Blues ist einer dieser seltenen Filme, die einen unerwartet treffen und gefangen nehmen. Voller Wärme, leisem Witz, Dramatik, einer ungeheuren Portion Wahrhaftigkeit und einer tollen Story. Es stimmt einfach alles, und man fragt sich, woher ein Debütant (Schorr) diese Weisheit und dieses Gespür nimmt. Und dabei auch noch den Mut aufgebracht hat, alles so zu realisieren, wie es ihm vorschwebte. Dabei ist er einige Risiken eingegangen, denn der Film ist unglaublich ruhig, unspektakulär und langsam erzählt. Die Kamera harrt in endlos langen Einstellungen aus, größtenteils sogar ohne eigene Bewegung. Die Darsteller treten aus dem Off ins Bild, und oft genug verlassen sie es wieder. Die Kamera bleibt stehen und lässt die leere Szene auf den Zuschauer wirken. Und dafür ist man dankbar, denn man hat Zeit, über das gerade Gesehene nachzudenken. Viele mögen das langweilig finden (und oft genug sind solche zur Langsamkeit stilisierten Filme das auch), aber ich kann nur versichern, dass die Langsamkeit in diesem Fall funktioniert. Der Film ist ein Meisterwerk, und man muss kein Cineast sein, um das zu sehen.

schultze gets the blues

Schultze entdeckt den Blues

Einen sehr großen Anteil an der Wirkung des Films hat ohne Frage Horst Krause. Sein "Schultze" ist derart echt und nachvollziehbar, dass es manches Mal weh tut. Denn ohne dass über die Vergangenheit geredet wird, erfährt man unglaublich viel über den Menschen Schultze, sein Leben und seine Einsamkeit. Horst Krause spielt zurückgenommen, aber eindringlich, und bleibt dabei wohltuend unakademisch und uneitel. So addieren sich die kleinen Gesten schließlich zu einem sehr lebendigen Bild eines Menschen. Dabei wird nicht viel gesprochen, aber das ist auch gar nicht nötig. Im Gegenteil, man würde den Menschen Schultze und die erzählte Geschichte ebenso verstehen, wenn man die Sprachausgabe wegdrehen würde (den Ton müsste man allerdings anlassen, denn die Musik spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung der Figur).

schultze gets the blues

Schultze hat das Glück gefunden. Spät, aber nicht zu spät

Die zweite Hälfte des Films spielt in Amerika, und wir erleben, wie Schultze, allein in der Fremde und der Sprache nicht mächtig, durch seine Unvoreingenommenheit und Offenheit Menschen für sich gewinnt (und das gilt natürlich auch für die Zuschauer). Schließlich landet er in den Sümpfen auf dem Hausboot einer dunkelhäutigen Frau und ihrer Tochter. Wie die Beziehung der beiden zueinander ist, wird nicht klar - Details spielen aber auch keine Rolle, denn es wird deutlich, dass Wärme und Sympathie im Spiel sind. Dass Schultze längere Zeit auf dem Hausboot lebt, wird einem klar, wenn seine Kumpels ein Bild von Krause auf dem Hausboot betrachten.

Schließlich stirbt Schultze. In dem Moment, in dem er - und man glaubt gerne, dass es das erste Mal überhaupt ist - sein Glück gefunden hat. Ein passendes Ende, das auch keineswegs so bitter ist, wie man vielleicht glaubt. (Sein Tod ist friedlich. Woran er stirbt, ist nicht ganz klar. Ich tippe auf Erschöpfung, denn auf der vorausgegangenen Fete hatte er einen Zusammenbruch.)
Der Film endet mit Schultzes Beerdigung in seinem Heimatdorf. Die Kapelle spielt die Zydeco-Melodie, die Schultze im Radio gehört hat und die ihn schließlich nach Amerika führte.

schultze gets the blues

Schultze macht sein allerletztes Nickerchen

Schultze Gets The Blues erinnert mich, trotz aller Unterschiede, ein wenig an Dead Man: Beide Filme haben eine ähnliche Erzählweise, beide wurden mit überschaubarem Budget gedreht, und in beiden Filmen wird die Geschichte eines Menschen erzählt, der sein vertrautes Milieu verlässt und dadurch sowohl Lebenssinn als auch Tod findet.

Schultze Gets The Blues ist ein Glücksfall. Der Film spricht auf wunderbar unmittabere Weise das Gemüt an und ist gleichzeitig ein cineastischer Leckerbissen. Unbedingt angucken! (Rainer Bublitz 12/2005)

D 2003

Originaltitel: Schultze Gets The Blues

Regie: Michael Schorr

Darsteller: Horst Krause, Harald Warmbrunn, Karl Fred Müller,
Leo Fischer, Rosemarie Deibel, Wilhelmine Horschig

© 2005 - 2012 rainerbublitz