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Carl Barks

The Good Artist

Carl BarksAls Carl Barks am 25. August 2000 im Alter von 99 Jahren starb, verlor die Comic-Welt ihren größten Künstler. Und ich den Retter meiner Kindheit (dessen Namen ich damals allerdings nicht kannte). Barks war der Mann, der Duckburg ("Entenhausen") geschaffen hatte, dieses Paralleluniversum, in dem nicht gestorben wird, in dem niemand altert (und das deshalb vollkommen atheistisch sein kann). Und in dem es keine Mütter gibt (dies ist eine bloße Feststellung, ich behaupte keinen kausalen Zusammenhang ... andererseits ist natürlich das Nicht-Altern und Nicht-Sterben eine elementare Bedingung für eine mutterlose Welt).

Barks lebte jedoch in unserer Welt, darum musste er sich mit Müttern und anderen Widrigkeiten auseinandersetzen, er musste sich dem Altern und schließlich dem Tod beugen. Ich wette aber, er hat sich irgendwo in Duckburg heimlich eine Bleibe reserviert! Die Frage ist nur wo ...

Vielleicht gleich gegenüber der Werkstatt von Gyro Gearloose ("Daniel Düsentrieb"), diesem nimmermüden Erfinder, der Großes vollbrachte, aber stets im Detail scheiterte? Gut möglich, denn Barks mochte an ihm die Bescheidenheit. Dass diese in Verbindung mit purer Genialität auftritt, ist sehr selten (Barks selbst ist der einzige andere mir bekannte Fall).

Vielleicht hat sich Barks aber auch in der Nähe des Geldspeichers von Uncle Scrooge ("Dagobert Duck") einquartiert. Auch wenn man es nicht auf Anhieb spürt, aber Barks hatte eine Menge übrig für Scrooge. Er bewunderte ihn. Nicht so sehr wegen seiner Gabe, Geld zu machen, sondern wegen seiner Fähigkeit, dieses nicht auszugeben.

uncle scrooge

Onkel Dagoberts Verhältnis zu Geld ist komplex und vielschichtig. Nicht einmal eine sinnliche Komponente fehlt

Barks hat durchschaut, dass nicht Gier oder Rücksichtslosigkeit Scrooges Antrieb sind, sondern die schlichte Existenzangst. Man weiß schließlich nie, was der nächste Tag bringt.

Oder hat er sich vor den Toren der Stadt eine kleine Farm eingerichtet, um dort bis in alle Ewigkeit friedlich Kürbisse zu züchten? Ebenfalls gut vorstellbar, denn dann wäre Oma Duck seine Nachbarin, und für deren Bodenständigkeit und Skepsis gegenüber dem technischen Fortschritt hat er stets große Sympathie gehegt.

Dass Barks in Sichtweite der Wohnung von Gladstone Gander ("Gustav Gans") residiert, darf man hingegen bezweifeln. Dieser Ganter, dessen Leben eine einzige, durchgehende Glückssträhne ist und der von keinerlei Gewissen geplagt wird, war Barks nicht geheuer. Er hat ihn zwar stets heimlich beneidet, aber er brachte ihm keine Sympathie entgegen. Dabei war es nicht einmal das Glückhaben, was er Gladstone neidete, sondern die Fähigkeit, im Nichtstun Erfüllung und Zufriedenheit zu finden. Keine Spur vom Prinzensyndrom, Gladstone hat nicht nur Glück, er ist auch glücklich, empfindet nicht einmal seine Ächtung als Fluch. Wie jeder gute Narziss ist er sich selbst genug.

donald coverOder vielleicht ist Barks in die Straße der resoluten und selbständigen Daisy, einer Feministen par excellence, gezogen? Schwer vorstellbar, nachdem er sie während seines irdischen Lebens doch recht kühl und distanziert behandelt hat. (Haben sie und Donald nun, oder haben sie nicht ...? Diese Frage wurde oft diskutiert, und ich meine sie haben nicht. Weil, WENN sie hätten, dann hätte immerhin die Gefahr bestanden, dass Daisy zu einer MUTTER wird. Das hätte Barks niemals zugelassen. Man darf also wohl unkeusche Gedanken, aber keine unkeuschen Taten vermuten.)

Oder ist Barks vielleicht in die Männer-WG der Beagle-Boys ("Panzerknacker"), dieser bedauernswerten Dauerverlierer gezogen? So dumm wird er nicht gewesen sein, denn schließlich hatte er sie ja extra als abschreckendes Beispiel geschaffen. Das Scheitern hat er ihnen in die Gene implementiert (Merke: Crime doesn't pay). Allerdings ist nichts darüber überliefert, was Barks von Männer-WGs hielt.

Vielleicht ist Barks aber auch in die Nähe von Donald und seinen Neffen gezogen? Klingt auf den ersten Blick sehr unwahrscheinlich, denn Donald war immer ein sehr unartiges Kind. Er ist das einzige Bewohner von Duckburg, der sich nie mit der Rolle, die Barks ihm zugewiesen hatte, zufrieden gegeben hat. Donalds Leben ist ein einziger Sturmlauf, gegen Zwänge und Vorbestimmungen, gegen die Gladstones dieser Welt und die Uncle Scrooges, gegen Ungerechtigkeiten (bzw. was er dafür hielt) und eigene Unzulänglichkeiten. Ein vergeblicher Sturmlauf, zugegeben, Donald ist der lebende Beweis, dass man seinem Schicksal nicht entkommen kann. Aber ist es wirklich nur das Ergebnis, das zählt?

Barks selbst war solches Aufbegehren fremd. Er akzeptierte die ihm zugewiesene Rolle, ohne zu murren.

Ab 1935 arbeitete er für die damals schon recht erfolgreichen Disney-Studios. Zu seinen Aufgaben dort zählte das Zeichnen von Zwischensequenzen und das Schreiben und Entwickeln von Gags für Filme. Eine Rolle, die ihm nicht sonderlich lag. Die Filme damals bestanden hauptsächlich aus einer Aneinanderreihung von Gags, von denen möglichst viele in möglichst kurzer Filmzeit untergebracht werden mussten. Barks hatte andere Vorstellungen, er wollte Geschichten realisieren. Wie sich später zeigte, lag auch genau hier eins seiner größten Talente. Als die Disney-Studios in den Vierzigern fast nur noch Kriegspropagandafilme produzierten, kündigte er. Er hasste den Krieg. Er zog mit seiner Frau in die Nähe von Los Angeles und eröffnete eine Hühnefarm. Nebenbei bewarb er sich bei Western Publishing, die die monatlich erscheinenden Walt Disney's Stories and Comics herausbrachten. 1943 schrieb und zeichnete er seinen ersten 10-Seiter für Western. Es war der Beginn einer langen Zusammenarbeit. Als Barks 1966 den Stift aus der Hand legte, hatte er über 7000 Seiten geschrieben und gezeichnet, darunter über dreihundert 10-Seiter, ca. 100 "One Shots" (abgeschlossene längere Geschichten, jeweils 24 - 32 Seiten, von denen die meisten in der Reihe "Donald Duck Adventures" erschienen), zahlreiche 1-Seiter und Titelbilder.

Jede dieser Stories ist ein Beleg für Barks Talent, Figuren zum Leben zu erwecken und großartige Geschichten zu erzählen. Seine Bilder sind auf den ersten Blick distinktabel von denen anderer Zeichner, seine Figuren haben eine unerreichte Dynamik. Geschichten wie "Im Land der viereckigen Eier", "Familie Duck auf Nordpolfahrt" oder "Voodoo-Zauber" (um nur einige zu nennen) sind längst Klassiker. Früher musste man sie sich für teures Geld auf Flohmärkten suchen, heute liegen sie in Deutschland im Albumformat vor (EHAPA Verlag), mit einer excellenten Kolorierung und sorgfältig editiert.

gyro gearloose

Fehlende Anerkennung, Bescheidenheit und eine gewisse Lebensun- tüchtigkeit - in keiner anderen Figur steckt soviel "Barks" wie in dem genialen Erfinder Daniel Düsentrieb

Barks profitierte nicht von seinem Ausnahmetalent. Er durfte seine Geschichten nicht signieren und bekam ein Standardhonorar wie jeder andere Zeichner auch. Wie er 1974 in einem Interview seinem Biographen Michael Barrier gegenüber äußerte, lebte er "fast immer an der Armutsgrenze". Natürlich fiel sein Talent auf, und das in einer Zeit, als Comics nicht unbedingt als Kunstform akzeptiert wurden. Bei den etwas aufmerksameren Lesern galt er bald als "The Good Artist", und es gab über die Jahre zahlreiche Anfragen bei Western - die Leute wollten wissen, wer denn dieser Zeichner sei. Western gab den Namen nicht preis, und auch Barks erfuhr nichts von diesen Anfragen. Bis in die Sechziger will er nichts davon mitgekriegt haben, dass er berühmt war als "The Good Artist". Vielleicht die Wahrheit. Vielleicht aber auch Selbstschutz, um in der Anonymität sein Lebenswerk in Ruhe beenden zu können.

Donald wäre das nicht passiert. Er wäre ins Büro seines Verlegers gestürmt, hätte irrwitzige Honorarforderungen gestellt, wäre unverschämt geworden und rausgeschmissen worden. War es vielleicht das, wovor Barks sich fürchtete, alles zu verlieren, wenn man nach dem Glück greift?

Barks hatte dann doch noch das verdiente Glück. Es fiel ihm in den Schoß, ohne dass er danach gegriffen hatte. Nach seinem Ausscheiden bei Western konnte er noch fast 35 Jahre lang seinen Ruhm genießen - übrigens bei einer bemerkenswerten geistigen Fitness - und erleben, wie sein Name um die Welt ging. Er widmete sich der Malerei und fertigte eine Reihe - tut mir Leid, Carl, aber das muss auch mal gesagt werden - ziemlich kitschiger Gemälde der Ducks an. Ironie der Geschichte: Diese Gemälde erzielten bald ziemlich stattliche Preise. Es sei ihm gegönnt. 1976 entzog ihm das Disney-Studio das Recht, Bilder von den Ducks zu verkaufen. Was Barks akzeptierte, ohne zu murren (bzw. seine Anwälte zu bemühen).

Donald Duck

Donalds Leben ist keineswegs durchgängig witzig. Besonders in den "One Shots" hat er teilweise haar- sträubende Abenteuer zu bestehen. Dabei erweist er sich stets als tapfer

Aber zurück zu Donald und der Frage, ob Barks in seine Nähe gezogen ist. Ich glaube ja, denn trotz aller Gegensätze war Donald das heimliche Lieblingskind von Barks. Er hat ihm mehr Zeit gewidmet als jedem anderen Bewohner Duckburgs und ihm damit auch zum größten Ruhm verholfen. Aber warum? Vielleicht weil Donald sein Sorgenkind war (jeder gute Vater schenkt seinem Sorgenkind besonders viel Liebe und Zuwendung)? Wohl kaum, denn Donald ist kein Sorgenkind, er ist stark. Er ist unbeugsam und ungebrochen, er fällt oft, aber ist schneller wieder auf den Beinen, als man gucken kann.

Oder repräsentiert vielleicht Donalds Unbescheidenheit eine heimliche, unterdrückte Sehnsucht in Barks, die er sich nicht traute auszuleb ... Schluss, aus, es ist genug. Ich werde jetzt nicht weiter in Barks dringen, wir sind hier schließlich nicht in der Psychoanalyse. Es ist eigentlich egal, warum er wo wohnt. Wichtig ist, DASS er in Duckburg wohnt. Denn, wie wir wissen, in Duckburg wird nicht gestorben, und das bedeutet: Barks bleibt uns erhalten, solange es Duckburg gibt!

Falls ihn dort jemand beim Lesen der Geschichten entdecken sollte, möge er mir bitte sofort eine Nachricht schicken. Ich werde das dann an dieser Stelle sofort bekannt geben! (Rainer Bublitz 04/2005)

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