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Raumpatrouille Orion

Die Rache der Frauen

Raumpatrouille OrionHelden dieser ersten (und bisher einzigen) deutschen Science-Fiction-Fernsehproduktion sind Commander Cliff Allister McLane und seine Crew, die im Jahr 3000 in dem "intergalaktischen Raumkreuzer" Orion in Routinemissionen in entfernteren Ecken des Weltalls unterwegs sind. Zur Erleichterung der gelangweilten Besatzung fangen sie dabei regelmäßig Hilferufe von anderen Raumkreuzern oder einem bewohnten Planeten auf oder stoßen auf die Frogs (= extraterristische, den Menschen technologisch überlegene und natürlich feindlich gesonnene Wesen). Entgegen dem ausdrücklichen Befehl von der Bodenstation regelt die Orion solche kleinen Probleme grundsätzlich selbst und auf eigene Faust. Eine Missachtung der militärischen Hierarchie, die zwar auch im Jahr 3000 eine sofortige Suspendierung des verantwortlichen Commanders zur Folge hätte. Da McLane und seine Leute mit ihren eigenmächtigen Aktionen aber einige Male die Welt retten, drückt man in der Basis ein Auge zu und stellt McLane lediglich die mit "Alpha-Befugnis" ausgestattete Leutnant Tamara Jagulowsk (Eva Pflug) zur Seite.

Was Alpha-Befugnis genau bedeutet, wird nicht geklärt. Offensichtlich stellt sie aber kein wirksames Mittel gegen das Mobbing durch die spöttelnde Männermannschaft dar. Nach und nach beugt sich Tamara Jagulowsk dem dreisten Chauvinus von Commander McLane. Und verliebt sich schließlich sogar in ihn ...

Raumpatrouille Orion

Das ist er, der inter- planetarische Raumkreuzer Orion

Wenn es einen Preis für die dümmlichste und frauenfeindlichste Geschichte gäbe, hätte ihn Raumpatrouille Orion verdient. Und wenn man schon einmal dabei wäre, könnte man der Serie auch gleich die Preise in den Sparten "absurdeste Ausstattung", "unglaubwürdigste Zukunftsprojektion", "lächerlichste Kostüme" und "billigste Tricktechnik" verleihen. Den Zuschauern waren solche Defizite offensichtlich egal, sie machten die sieben Abenteuer von Commander Cliff Allister McLane und seiner Crew bei der Erstausstrahlung 1967 zu absoluten Straßenfegern.

Raumpatrouille Orion

Hier der Inhalt der Orion (auf dem Bild noch ohne Leutnant Tamara Jagulowsk)

Das ist wohl nur mit der damaligen Situation zu erklären. Die Serie katapultierte die Zuschauer ins Jahr 3000 und traf damit ein zentrales Bedürfnis. In Zeiten boomenden Wirtschaftswachstums und grenzenlosen Optimismusses konnten die Deutschen die Zukunft einfach nicht mehr abwarten, sie wollten wissen, wie es weiterging, wollten die Bestätigung, dass Wohlstand nicht nur ein vorübergehender Traum war.

Was sie aus dem Jahr 3000 zu sehen bekamen, war äußerst beruhigend. Es gab zwar "technischen Fortschritt" (zum Wohle der Menschheit), aber ansonsten hatte sich nichts geändert. Die Einstellungen waren die gleichen wie in 1967, Alice Schwarzer und ihre ketzerischen Thesen hatte noch nicht stattgefunden, alte Feindbilder konnten mühelos auf neue - nun "extraterristische" - Feinde übertragen werden, und Alkohol wurde noch immer getrunken (bevorzugt in Form von Whiskey). Der deutsche Fernsehzuschauer (besonders der männliche) konnte sich also beruhigt in seinem Sessel zurücklehnen. Die Zukunft mochte beginnen. Neue Ideen oder grundlegende gesellschaftliche Veränderungen, die eine geistige Auseinandersetzung und am Ende vielleicht sogar die Trennung von liebgewonnenen Gewohnheiten erzwungen hätten, waren für die nächsten 1000 Jahre nicht zu befürchten. Angesichts dieser frohen Botschaft waren die Zuschauer offensichtlich sogar bereit, die amateurhafte Umsetzung der "technischen" Seite der Vision zu übersehen (oder vielleicht auch als Abstrahierung zu begreifen).

Raumpatrouille Orion

Halten sich im Jahr 3000 die Goldfische Menschen in Terrarien? Nein, die Menschen haben lediglich den Meeresboden besiedelt. Auf die Ursachen für das ungehemmte Wachstum dieser ehemaligen Zierfische wird in der Serie nicht eingegangen

Aus heutiger Sicht wirkt das alles geradezu unfassbar reaktionär. Man fragt sich bestürzt: War das damals wirklich so? Oder handelt es sich vielleicht um eine Satire? Einen Hinweis auf Letzteres sucht man allerdings vergeblich, die Schauspieler agieren ernst und und im Brustton der Überzeugung, alles so darzustellen, wie es zu sein hat. So darf Commander McLane die zu seiner Kontrolle eingesetzte Vorgesetzte Tamara Jagulowsk ungestraft mit "mein liebes Kind" anreden. Überhaupt spielen Frauen kaum eine entscheidende Rolle. Und wo sie es tun, begehen sie Fehler und werden vom unfehlbaren McLane korrigiert. Dietmar Schönherr spielt den Chauvi McLane selbstgefällig-eitel und absolut ironiefrei. Es kann eben nicht jeder Sean Connery sein ... (Ein paar Jahre später nervte er als wichtigtuerischer Superpascha neben seiner zur Handlangerin degradierten Frau Vivi Bach in der von ihm als "innovativ" bezeichneten Show "Wünsch dir was".)

Raumpatrouille Orion

"Aber ich bin mir absolut sicher, das Licht in der Raumfähre beim Verlassen ausgemacht zu haben ..."

Auch in Sachen Konfliktlösung spiegelte die Serie die damaligen Einstellungen wieder. Alles Fremde ist von vornherein feindlich und bösartig und muss umgehend eliminiert werden. Einzige kritische Stimme im allgemeinen Konsens ist Generalstabsmitglied Oberst Villa (Friedrich Joloff), der mahnend fordert, zunächst die feindlichen Absichten der Frogs zu prüfen. Sein Ansinnen wird selbstverständlich mit Empörung und ohne Diskussion abgelehnt.

Dass es auch 1967 durchaus schon andere Sichtweisen gab, beweist übrigens die amerikanische TV-Serie Raumschiff Enterprise.

Raumpatrouille Orion

Die Frogs hatten - anders als ihr Name suggeriert - menschliche Konturen

Verzeihlicher sind da die offensichtlichen (und aus heutiger Sicht teilweise lächerlichen) Mängel in Trick und Ausstattung. Gedreht wurde in den Bavaria Studios in München, und da 1967 die Werbeeinnahmen noch nicht so reichlich flossen wie heute, musste man mit einem überschaubaren Budget auskommen. Dafür ließen sich die Macher einiges einfallen: Die Requsiteure studierten Industriekataloge und suchten sich aus diesen Gegenstände, "die damals nicht so bekannt waren und ein futuristisches Design aufwiesen" (Zitat aus dem Beiheft der DVD-Ausgabe). So kam es, dass in der Dekoration der Orion Feinminenspitzer, Wasserhähne, Rechenschieber, Uhrpendel, Druckluftschläuche, Lochkartenfragmente und das berühmte Bügeleisen auftauchen. So kam es, dass Super-Macho McLane am Ende unvermutet ein Bügeleisen in die Hand nahm ...

Raumpatrouille Orion

Würden Sie sich mit so einem Gefährt in die Weite des Weltalls trauen? Ich auch nicht, aber die Besatzung der Orion tat es

Ich war bei der Erstausstrahlung 1967 gerade zehn Jahre alt, und die Raumpatrouille Orion war mein erstes "kribbelndes" Fernseherlebnis (noch stärker kribbelte es zwei Jahre später bei Mit Schirm, Charme und Melone, aber das ist eine andere Geschichte). Die Serie lief am Sonntagnachmittag, und ich war schon morgens aufgeregt. Viele Gedanken machte ich mir nicht, ich fand die Filme einfach unglaublich spannend. Und, ja, ich gestehe, McLane war damals für mich ein Held, den ich uneingeschränkt bewunderte. Das einzige, was an der Serie nervte, waren die Frauengeschichten ... (Rainer Bublitz 08/2006)

Kommentar von Heinz Günter Weiß:

Selbstverständlich war es für uns Jungens eine absolut tolle Geschichte, wir wollten doch immer schon Astronauten oder so etwas ähnliches werden. Zu jeder freien Stunde übten wir auf dem Acker nebenan unsere selbstgebastelten "Raumkreuzer", die übrigens ausnahmslos alle "Orion" hießen, mit strammen Ventilgummis möglichst hoch in den Himmel zu schießen.

Wir bastelten Drachen, ließen diese möglichst hoch aufsteigen, (dazu haben wir uns schon einmal die große Angelrolle von meinem Opa "ausgeliehen",) hängten unsere "Raumkreuzer" an die Schnur und ließen sie zum Drachen hochlaufen. Oben angekommen, sorgte ein kurzer Ruck dafür, dass unser "Raumkreuzer" sich ausklinkte und - je nach Thermik - weiter aufstieg oder dem Wind folgend unseren Augen entschwand.

So saßen wir auf Strohballen und räuberten uns alle möglichen Geschichten vor. Heute, 40 Jahre später, sieht man die Wiederholung im Fernsehen mit etwas anderen Augen, aber damals, als die Telefone noch Kabel hatten, (wenn man überhaupt ein Telefon hatte) haben wir die Welt noch mit ganz anderen und vor allem einfachen Augen betrachtet.

Vielleicht sehen meine Kinder in 40 Jahren die heutigen Sendungen über die Zukunft der Menschheit auch etwas belustigt an. Auch wenn sich die Bügeleisen und Eisportionierer optisch leicht verändert haben.
Der innere Wunsch eines Jeden von uns, die Welt immer ein bisschen besser machen zu wollen und die Zukunft für unsere Nachkommen zu sichern, wird die Wissenschaft und jeden Interessierten immer an der Verbesserung unseres Systems kontinuierlich arbeiten lassen. (Heinz Günter Weiß 4/5/09)

TV Produktion, 7 Folgen, D 1966 (Erstausstrahlung 1967)

Regie: Michael Braun

Darsteller: Dietmar Schönherr (Cliff Allister McLane), Eva Pflug (Tamara Jagulowsk), Wolfgang Völz (Mario De Monti), Claus Holm (Hasso Sigbjörnson), F. G. Beckhaus (Atan Shubashi), Ursula Lillig (Helga Legrelle), Benno Sterzenbach (General Wamsler), Friedrich Joloff (Oberst Villa)

Musik: Peter Thomas

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